Achtsamkeit und Fotografie

Was hat Fotografie mit Achtsamkeit zu tun?
Sie haben mehr miteinander gemeinsam als man im ersten Moment glauben mag. Beides ist auf den gegenwärtigen Moment also dem HIER und JETZT bezogen. Beides erfordert einen hohen Grad an Aufmerksamkeit. Beides gelingt am besten, wenn der Geist leer und unvoreingenommen ist.

Was bedeutet Achtsamkeit?
Es bedeutet sich bewusst und mit allen Sinnen auf das gegenwärtige Geschehen einzulassen.

Um Fotos eine Seele zu verleihen, muss der Fotograf all seine Sinne auf den gegenwärtigen Augenblick ausrichten.

Die folgenden Prinzipien von Achtsamkeit lassen sich somit auf die Fotografie übertragen:

Wahrnehmung
Wir achten bewusst auf Gedanken, Erlebnisse und Ereignisse, die im gegenwärtigen Augenblick stattfinden.

Zur Kenntnisnahme
Wir machen uns klar, dass etwas tatsächlich existiert.

Wertneutralität
Wir bewerten das Geschehen nicht, sondern erleben oder beobachten es lediglich.

Loslassen
Wir klammern uns nicht an Gedanken, Gefühle, Ideen oder Ereignisse.

Konzentration und Engagement
Achtsamkeit setzt Konzentration voraus. Unsere Aufmerksamkeit und unser Handeln haben einen klar definierten Fokus. Wir nehmen das Erlebte unmittelbar und mit ungeteilter Aufmerksamkeit wahr.

Anfängergeist
Anstatt auf Ereignisse immer wieder auf dieselbe Weise, wie schon in der Vergangenheit, zu reagieren, betrachten wir sie stets in einem neuen Licht. Wir lösen uns von unseren Überzeugungen und unseren Schlussfolgerungen, die wir bei früheren Gelegenheiten gezogen haben und öffnen uns neuen Möglichkeiten, selbst in wohlvertrauten Situationen. Wir achten bewusst auf kleine Veränderungen, die das jetzt Geschehen vom vergangenen unterscheiden. Die Wahrnehmung des Neuen versetzt uns ins Hier und Jetzt, weil wir bewusster werden für das, was gerade jetzt geschieht.

Geduld und Vertrauen
Dies ist die Erkenntnis, dass sich die Dinge in ihrer eigenen Zeit entwickeln.

Anhand eines Beispiels möchte ich Ihnen die Anwendung dieser Achtsamkeitsprinzipien auf die Fotografie verdeutlichen:


Ich saß wie bereits die Tage zuvor inmitten eines Meeres von Steinmännchen am Strand. Jeder der hier verweilt baut sein eigenes persönliches Steinmännchen oder repariert bereits vorhandene oder baut an und um. Ich sitze nun so da und ich blicke minutenlang auf die Schar von steinernen Figuren. Jede scheint ihre eigene Persönlichkeit zu haben. Die Tage zuvor hatte ich schon Fotos von den unterschiedlichsten Skulpturen gemacht und immer wieder neue und vermeintlich schönere Steinmännchen entdeckt. Heute sitze ich nur da und beobachte und denke an nichts. Am Rande der Küstenlinie erblicke ich ein interessantes Gebilde, das sich schön von dem tosenden Meer im Hintergrund abhebt. Ich habe an meiner Kamera nur eine Festbrennweite angebracht. Klick - das erste Foto ist im Kasten. Da ich mich für den richtigen Bildausschnitt wegen des Festbrennweitenobjektivs auf das Objekt zubewegen muss, erhebe ich mich und mache ein paar Schritte. Das Gebilde verändert sich alleine durch das Verändern der Perspektive. Klick - das zweite Foto ist im Kasten. Hat schon was, denke ich mir und mache noch ein paar Schritte zur Seite - und da ist es, das Foto mit einer Seele: Zwei Steinmännchen stehen sich wie in ein Gespräch vertieft gegenüber. Interessiert beugt sich ein Männchen zu seinem vermeintlichen Gesprächspartner nach vorne und scheint ihm etwas zuzuflüstern.


Was hat das jetzt alles mit Achtsamkeit zu tun?

  • Lassen Sie sich beim Fotografieren auf den Moment im HIER und JETZT ein. Setzen Sie sich auf eine Parkbank, auf einen Hügel oder an das Ufer eines Sees und nehmen Sie den gegenwärtigen Moment war.

  • Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es so ist wie es ist.

  • Beobachten Sie nur und bewerten Sie Ihr Motiv nicht.

  • Schöpfen Sie nicht aus allen Möglichkeiten, die Ihnen Ihre Fotoausrüstung bietet. Nehmen Sie nur eine Kamera und nur ein Objektiv mit, am besten eine Festbrennweite. Klammern Sie sich nicht an eine konkrete Idee oder ein Foto, das Sie unbedingt machen wollen. Machen Sie sich von Ihren Gedanken frei und lassen Sie in diesem Sinne los.

  • Seinen Sie bei Ihren Beobachtungen wach im Geist und aufmerksam.

  • Fotografieren Sie das Motiv nicht so, wie Sie es vielleicht schon zigfach fotografiert haben. Verändern Sie die Perspektive, kommen Sie zu diesem Ort zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, wählen Sie eine andere Verschlusszeit oder eine  andere Blende oder versuchen Sie was ganz Neues (Doppelbelichtungen, spielen mit den Farben und/oder Formen, machen die Fotos in Schwarzweiß, ...). Wecken Sie Ihren Anfängergeist und sehen Sie das Motiv so, als würden Sie es heute zum ersten Mal betrachten.

  • Seien Sie geduldig, erzwingen Sie nichts. Haben Sie vertrauen, dass der richtige Moment für die diese Aufnahme kommen wird.


Probieren Sie es aus! Übung macht auch aus Ihnen einen/eine achtsamen/achtsame Fotografen/Fotografin. Sie werden sehen, Ihre Bilder bekommen eine Tiefe, die Ihre Seele und die Seele anderer Betrachter berührt. Sie kommen zur Ruhe und freuen sich darüber was Sie entdeckt und erschaffen haben.

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